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Nachruf auf Prof. a.D. Dr. Klaus-Peter Löhr

Der Arbeitskreis Datenschutz und Datensicherheit der Gesellschaft für Informatik trauert um Prof. a.D. Dr. Klaus-Peter Löhr, der am 20. April 2026 im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

Klaus-Peter Löhr gehörte über viele Jahre zu den prägenden Persönlichkeiten des früheren Präsidiumsarbeitskreises Datenschutz und Datensicherheit der GI und gehörte dem Arbeitskreis bis zuletzt an. Er verband wissenschaftliche Klarheit mit bürgerschaftlicher Verantwortung und einer selten gewordenen Unabhängigkeit des Urteils. Für ihn war Informatik nie nur eine technische Disziplin. Sie war stets auch eine gesellschaftliche Aufgabe: eine Wissenschaft, die Verantwortung dafür trägt, wie Technik Macht verteilt, Freiheit ermöglicht oder gefährdet und Vertrauen in digitale Infrastrukturen begründet.

Sein wissenschaftlicher Weg führte ihn von der Mathematik zur Informatik. Nach Stationen an der TU Berlin, in Bremen und in den USA wurde er 1985 auf den Lehrstuhl für Softwaretechnik am Fachbereich Mathematik der Freien Universität Berlin berufen. Dort half er, das neu gegründete Institut für Informatik aufzubauen. Seine Arbeiten zu funktionalen und objektorientierten Programmiersprachen sowie zu verteilten Systemen fanden weithin Beachtung. Bereits früh erkannte er die Bedeutung von Cyber-Sicherheit, lange bevor diese zu einem allgegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Thema wurde.

In der GI wurde Klaus-Peter Löhr 2009 zum Fellow ernannt. Gewürdigt wurden damit nicht nur seine wissenschaftlichen Leistungen, sondern auch sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement für die Informatik, die Lehre und die Gesellschaft für Informatik. Gerade im Präsidiumsarbeitskreis Datenschutz und Datensicherheit war er eine Stimme, die technische Kompetenz, Genauigkeit und demokratische Wachsamkeit miteinander verband.

Wer mit ihm arbeitete, erlebte ihn als nüchtern, präzise und zugleich leidenschaftlich in der Sache. Er stellte die einfachen Fragen, die oft die entscheidenden waren: Dient eine vorgeschlagene Lösung wirklich den Nutzern? Ist sie praktikabel? Ist sie vertrauenswürdig? Wird Unabhängigkeit gewahrt, oder folgt Politik lediglich den Interessen einzelner Anbieter? Besonders deutlich wurde dies in seinen Beiträgen zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2015 kritisierte er, dass bloße Bekenntnisse zu Transparenz und Vertrauenswürdigkeit konkrete Maßnahmen nicht ersetzen können. Ebenso deutlich wandte er sich dagegen, wenn staatliche Digitalpolitik sich zu eng an einzelnen Industrieinteressen orientierte, statt nach neutralen, offenen und für alle Nutzer geeigneten Lösungen zu suchen.

Diese Haltung war beispielhaft für Klaus-Peter Löhrs Wirken im Arbeitskreis. Er war kein Freund wohlfeiler Formeln. Er suchte nach Lösungen, die technisch tragen, gesellschaftlich verantwortbar sind und dem Anspruch der Informatik als öffentlicher Wissenschaft gerecht werden. Dabei scheute er nicht den Widerspruch, auch nicht gegenüber Ministerien, Verbänden oder vermeintlichen Mehrheitsmeinungen. Gerade dadurch war er für den Arbeitskreis so wertvoll. Auch als Sachverständiger in Anhörungen des Bundestages brachte er die Themen des Arbeitskreises voran, allerdings fühlte er sich dort oft wie ein Rufer in der Wüste.

Klaus-Peter Löhr war ein begnadeter Lehrer, ein profilierter Wissenschaftler und ein hochgeschätzter Kollege. Für den Arbeitskreis bleibt er vor allem als jemand in Erinnerung, der Datenschutz und IT-Sicherheit nicht als Randthemen, sondern als Kernfragen einer freiheitlichen digitalen Gesellschaft verstanden hat. Seine klare Sprache, seine fachliche Autorität und seine Unabhängigkeit werden fehlen.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Für den Arbeitskreis Datenschutz und Datensicherheit
der Gesellschaft für Informatik

Dr. Martin Weigele